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Den Brüsseler Kiez (Berlin-Wedding) selbst gestalten

Öffentliche Diskussionsveranstaltung mit Davide Brocchi, Initiator des „Tags des guten Lebens“ in Köln, am Samstag, 9. Dezember 2017, 12-14 Uhr in der Schiller-Bibliothek (Müllerstr. 149) in Berlin.

Wie würde unsere Stadt, unser Quartier und unsere Straße aussehen, wenn sie durch die Anwohnerinnen und Anwohner für einen Tag das Sagen hätten? Was würde passieren, wenn die Straßen an diesem Tag autofrei wären? Welche Ideen könnte man endlich umsetzen, für die bisher kein Platz war?

Wie sieht er aus, der „Tag des guten Lebens“?

Das gleichnamige Projekt, das seit 2013 einmal jährlich in Köln stattfindet und stetig neue Nachahmer findet, wurde 2017 mit dem Deutschen Nachbarschaftspreis ausgezeichnet. Jetzt soll es auch im Brüsseler Kiez einen „Tag des guten Lebens“ geben. 13 Organisationen machen sich bereits für diese Idee stark.

Am 9. Dezember soll es nun darum gehen, Ideen für die Umsetzung und Mitstreiter zu finden. Dazu sind alle Anwohnerinnen und Anwohner, Mitglieder von Initiativen und Organisationen vor Ort, aus Kultur, Kommunalpolitik und Stadtverwaltung herzlich eingeladen.

Davide Brocchi, Initiator des Projekts, berichtet von seinen Erfahrungen vom „Tag des guten Lebens“ in Köln und stellt das Konzept für ein Pilotprojekt im Brüsseler Kiez vor.


Unterstützende Organisationen:

  1. Berlin 21 (www.berlin21.net)
  2. Das Baumhaus – Projekt & Raum für sozial-ökologischen Wandel in Berlin-Wedding (www.baumhausberlin.de)
  3. Bürgerinitiative Brüsseler Kiez (http://kiezmacher.blogspot.de)
  4. Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V., Berlin (www.soziokultur.de)
  5. Ecosign / Akademie für Gestaltung, Köln (www.ecosign.de)
  6. Fairleihen, Berlin (https://berlin.fairleihen.de)
  7. Futurzwei – Stiftung Zukunftsfähigkeit, Berlin (www.futurzwei.org)
  8. Gesundheitsakademie für sozialökologische Gesundheitspolitik und Lebenskultur e.V., Berlin/Bielefeld (http://gesundheits.de/akademie)
  9. Himmelbeet, Wedding (http://himmelbeet.de)
  10. Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, Berlin (www.ioew.de)
  11. Inter3 – Institut für Ressourcenmanagement, Berlin (www.inter3.de)
  12. und.Institut für Kunst, Kultur und Zukunftsfähigkeit e.V., Berlin (https://und-institut.de
  13. WeddingWandler, Berlin (http://weddingwandler.de)

Foto: Quelle Wikipedia

Neuer Auftrag zum Thema „partizipative Quartiersentwicklung“

Unsere Demokratie steckt offensichtlich in einer Krise und muss von unten gestärkt oder gar neugegründet werden. Deshalb freue ich mich, eine Expertise zum Thema „partizipative Quartiersentwicklung“ in den nächsten Monaten verfassen zu dürfen, im Auftrag des Forschungsinstituts für gesellschaftliche Weiterentwicklung NRW (FGW). Das Dokument wird 2018 veröffentlicht.
Das FGW ist an der Schnittstelle von Politik, Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit verortet. Sein übergeordnetes Ziel ist es, gesellschaftliche Weiterentwicklungen im Sinne einer sozial integrierten Gesellschaft zu fördern, in der die basalen Grundwerte von Fairness, Gerechtigkeit und Solidarität realisiert werden. In seiner Forschung konzentriert sich das FGW auf vier sozialpolitische und ökonomische Themenbereiche. Die zu erstellende Expertise ist dem Themenbereich „Integrierende Stadtentwicklung“ zugeordnet und wird 2018 veröffentlicht.

 


Bildquelle: FGW

Von Spiekeroog nach Gräfrath

„Unsere Städte – wie können sie zu Stätten von Lebensqualität und Gerechtigkeit werden?“ Zu diesem Thema finden Ende September die (ersten) „Bergischen Klimagespräche“ statt, früher „Spiekerooger Klimagespräche“. Ich habe mich über die Einladung von Prof. Dr. Reinhard Pfriem gefreut, Teil des Vorbereitungsteams zu werden. Zu den 30 Experten, die drei Tage lang in einer fast intimen Atmosphäre diskutieren werden, gehören Vertreter aus Wissenschaft (Dirk Messner, Uwe Schneidewind…), Politik und Stadtverwaltung (Barbara Möhlendick…), Zivilgesellschaft (Harris C. M. Tiddens, Yvonne Johannsen…), Medien und Kultur (Anna Ditges…)…

Vertiefung:

 

Endlich ein Urbanist!

Die Urbanisten sind ein Dortmunder Kollektiv, bestehend aus Raumplaner/innen, Künstler/innen, Pädagogen, Umweltbildner/innen, Ingenieur/innen, Designer/innen & anderen Disziplinen. Nach der guten Zusammenarbeit des letzten Jahrs habe ich nun eine Mitgliedschaft beantragt und freue mich darüber, endlich ein „Urbanist“ zu sein. Wir teilen Ziele und vor allem eine ähnliche Philosophie. Seit 2010 verfolgt der gemeinnützige Verein die Vision einer Stadt, in der die Bewohner/innen ihren Lebensraum eigenverantwortlich mitgestalten und ihre individuellen Ressourcen zusammenschließen: lokal, kreativ und lebendig. Weitere Informationen: https://dieurbanisten.de

Erste Rezension zum Buch „Urbane Transformation“

Die Kölnerin freie Autorin Christina Trees hat gerade zwei Bücher im Oya-Magazin besprochen:

  • »Urbane Transformation – Zum guten Leben in der eigenen Stadt: Nachhaltiges Modellprojekt: Der ’Tag des guten Lebens’ in Köln« (Reihe: Politik in sozialer und ökologischer Verantwortung)
    Die Urbanisten e.V. (Hrsg.), Davide Brocchi (Autor)
    VAS Verlag für Akademische Schriften, Bad Homburg, 2016, 168 Seiten
    ISBN 978-3888645495
    14,00 Euro

und

  • »Ohne Auto leben – Handbuch für den Verkehrsalltag«
    Bernhard Knierim
    Promedia-Verlag, Wien, 2016, 176 Seiten
    ISBN 978-3853714133
    14,90 Euro

Hier der vollständige Text ihrer Doppelrezension.

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»Ohne Auto leben« von Bernhard Knierim setzt den Autofreigedanken, der sonst oft nur als einer unter vielen Aspekten zur Veränderung Erwähnung findet, in den Mittelpunkt seiner Betrachtung. Er beschreibt zunächst, wie und warum die »Autogesellschaft« entstand und warum es Sinn macht, über ein Leben ohne Auto nachzudenken. Im Mittelteil des Buchs beschreibt er detailliert die Möglichkeiten und Alternativen, um diese Absicht als Individuum umsetzen zu können. Hier lässt er weder altbekannte Weisheiten über frische Luft und Bewegung aus noch kleinste Tipps wie Ersatzkleidung bei Regen, er erklärt unterschiedlichste Transportanhänger und Car-Sharing ebenso wie das grundsätzliche Konsumverhalten durch Unterstützung regionaler Produkte. Im letzten Teil des Buchs schließlich bettet er die individuellen Optionen ein in einen Rahmen politischer Veränderungserfordernisse und bezieht sich auf Postwachstumsökonomie, direkte/indirekte Subventionen, Maßnahmen, die alternative Mobilität attraktiver oder die umweltschädliche Variante Auto unattraktiver gestalten könnten u.ä.
Für mich persönlich ist die Idee des Lebens ohne Auto seit Jahren selbstverständlich und gelebte Alltagswirklichkeit – wozu brauche ich in der Stadt ein Auto, wenn ich doch leicht Fahrrad und Bahn nutzen kann? So einfach macht es sich Knierim nicht und so ist hier weder ein erhobener Zeigefinger auffindbar noch irgendeine Form von Polarisierung oder Überheblichkeit gegenüber unbewusstem Verhalten und Autobesitzern. Knierim unterstützt vielmehr dabei, den Horizont derjenigen zu erweitern, für die Autofreiheit undenkbar oder schwer umsetzbar scheint und zeigt Lösungsmöglichkeiten für alle Details auf.

Davide Brocchis »Urbane Transformation – Zum guten Leben in der eigenen Stadt« geht viel weiter. Der Autor, Initiator vom »Tag des guten Lebens: Kölner Sonntag der Nachhaltigkeit in Köln«, bleibt nicht bei einer verkehrspolitischen Veränderungsvision stehen, auch wenn sicher insbesondere die Autofreiheit in manchem Kopf als eines der wesentlichen Kennzeichen des Tag des guten Lebens abgespeichert ist. Wer selbst dabei war, weiß, dass dies nur ein Merkmal unter vielen war und autofreie Zonen und Tage lediglich Hilfsmittel – wenn auch sehr kraftvolle! – sein können, um eine passende Grundlage für ein sozialeres Miteinander im urbanen Lebensalltag zu schaffen.
Im Artikel »Wer sind meine Nachbarn?« der Oya-Ausgabe 27/2014 hatte ich über den »Tag des guten Lebens« sowie über dessen Impulse und Auswirkungen auf Nachbarschaft und Alltag berichtet.

Davide Brocchi beschreibt in seinem Buch auf ansteckende Art seine ganz persönlichen Motive, sich für eine urbane Transformation einzusetzen. Berührend ist hier die beispielhafte Geschichte von Brocchis familiärem Ursprung – seinen italienischen Eltern und Großeltern mit Träumen und Enttäuschungen zu Nachbarschaft und Land- oder Stadtleben.
Teil seiner Ausführungen ist ebenso die Auseinandersetzung mit dem, was durch das Realexperiment »Tag des guten Lebens« gelungen ist und wo Herausforderungen im Prozess nur teilweise gemeistert werden konnten. Er beschreibt Ziele wie die Resilienzstärkung einer Stadt in Krisen und ein »gutes Leben«, in dem der Mensch im Mittelpunkt steht und direkte Mitgestaltung des Lebensumfelds durch jeden Bewohner tatsächlich umsetzbar ist.
Brocchi beschreibt detailliert und oft sachlich, vielleicht manchmal auch ein wenig »akademisch« – doch gerade dadurch bin ich fasziniert beim Lesen, wie er mich trotzdem packt und wie oft zwischen den Zeilen genau die Begeisterung, die Haltung, die unbeirrt ans innere und äußere Wachstum des Menschen glaubt, zu spüren ist und überspringt. Er will real verändern, bleibt dabei eben nicht pauschal und oberflächlich, und so finden sowohl Logistik, Geld, Kultur und Konflikte in Nachbarschaft als auch Themen wie Gruppendynamik, Medien und Stadtpolitik in offener und differenzierter Betrachtung ihren Platz. Genau so wird klar, was zu berücksichtigen ist, will man seinen persönlichen Beitrag ausdehnen und Teil einer Veränderung sein, die Visionen von z.B. autofreien Entschleunigungstagen auch in anderen Städten, selbstverwalteten Plätzen, Straßenpatenschaften für Flüchtlinge, die Einführung einer Regionalwährung u.ä. auf die Erde zu bringen vermag.
Sowohl Knierims »Ohne Auto leben« als auch Brocchis »Urbane Transformation« bieten sich als Beitrag zu einer realistischen Kraft der Veränderung im städtischen Raum an – und schaffen es dabei auch, sanft unterschiedliche Bedürfnisse und Motive zusammenzuführen. Danke dafür!

Christina Trees, 02/2017

Transition Neighbourhoods

Mein Aufsatz mit dem Titel „Transition Neighbourhoods“ ist in dem neuen Band von Julia-Lena Reinermann und Friederike Behr „Die Experimentalstadt. Kreativität und die kulturelle Dimension der Nachhaltigen Entwicklung“ (Springer VS, 2017) erschienen. Die Beiträge des Bandes befassen sich mit den ständigen Veränderungsprozessen, denen Städte unterworfen sind. Sie sind geprägt von Aufbau und Zerfall, Chaos und Planung. In ihnen kumuliert das soziokulturelle und technische Gefüge moderner Gesellschaften. Prägend sind dabei beispielsweise Symptome der zunehmenden Segregation oder der Verödung der Innenstädte. Anderseits erstarken soziale Innovationen, wie z.B. die Do-it-yourself-Bewegung in welcher verstärkt auch Kreativschaffende oder Künstler als Schnittstellenakteure fungieren und mit ihren Aktivitäten in den öffentlichen Raum intervenieren. Die daraus entstehenden Narrationen, Atmosphären und deren Interpretationen prägen als soziokulturelle Ausdrucksformen den Körper einer Stadt und zeichnen Erzählungen des Wandels nach. Der Band setzt sich mit diesen Phänomenen sowohl theoretisch als auch empirisch auseinander.
Weitere Informationen zum Band hier.

Davide Brocchi Urbane Transformation
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Urbane Transformation

Wie können Demokratie und sozialer Zusammenhalt, Zeit- und Raumwohlstand und nicht zuletzt Umweltschutz in unseren Städten gefördert werden? Wie lässt sich urbane Resilienz in einer Zeit der „multiplen Krise“ stärken? Wie können Bürger/innen die eigene Stadt lebenswerter machen und die Regie über ihr unmittelbares Lebensumfeld zurückgewinnen?
Die Spannungsfelder einer urbanen Transformation reflektierend, entwickelt das Buch Konzepte und konkrete Strategien für einen nachhaltigen Städtewandel. Es stützt sich dabei auf die Erfahrungen aus einem groß angelegten Realexperiment in Köln: Seit 2013 findet dort jährlich der „Tag des guten Lebens“ statt. Ermöglicht durch eine unkonventionelle Allianz von Zivilgesellschaft, Institutionen und Anwohnern dient diese Initiative als transformativer Taktgeber und Katalysator in einem komplexen Prozess, der die Stadt zum Gemeingut werden lässt. Das Buch beschreibt, wie Vertrauen und Kooperation in der Nachbarschaft gefördert und Schritte hin zu einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung eingeleitet werden.
Flyer zum Buch