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Große Transformation im Kiez

Seit einem Jahr arbeite ich an der Übertragung der Lehren aus dem urbanen Realexperiment in Köln (Tag des guten Lebens) auf andere Städte, dabei sollen andere Wege der Transformation in den Quartieren erprobt und weiterentwickelt werden (u.a. inklusive Partizipation, Selbstermächtigung der Bürger/innen, Quartiersräte). Das Konzept „Große Transformation im Kiez“ wurde inzwischen von 20 Organisationen unterzeichnet, weitere sind willkommen. Das Pilotprojekt soll in Berlin stattfinden.

Inzwischen hat sich auch eine bundesweite Plattform für den „Tag des guten Lebens“ gebildet, mit Vertreter/innen von Initiativen aus verschiedenen Städten: Dresden, Berlin, Bonn, Essen…
Auch die bundesweite Degrowth-Bewegung, die die Wandelwoche in verschiedenen Städten veranstaltet, ist dabei vertreten, dort laufen gerade die Planungen, in 2018 einen bundesweiten „Tag des guten Lebens für alle“ zu gestalten (zunächst war als Titel „degrowth day“ angedacht). Dabei war auch der „Tag des guten Lebens“ in Köln eine Inspirationsquelle für die verschiedenen Ideen.

Zu der Plattform gehört auch Alberto Acosta, ehem. Präsident der Verfassungsgebenden Versammlung Ecuadors, die das „Buen Vivir“ in der Grundverfassung des Landes verankerte. Acosta unterstützt ebenso die Idee eines bundesweiten „Tags des guten Lebens“.

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Bild: Urban Gardening Projekt „Himmelbeet“ im Wedding, Berlin (Foto: Davide Brocchi)

Buen Vivir und „Tag des guten Lebens“

2012 fand im Rahmen des Bündnisses „Agora Köln“ ein Wettbewerb statt. Der „Kölner Sonntag der Nachhaltigkeit“ sollte umbenannt werden, die Mobilisierung der Bürger/innen benötigt eine inklusivere Sprache, so die Begründung. Ich schlug „Tag des guten Lebens“ vor, um diese Initiative mit der Buen Vivir-Debatte zu verbinden. Seit dem Studium der Entwicklungssoziologe in Bologna verfolgte ich diese Diskussion über alternative Wohlstandsmodelle in Lateinamerika, die durch die Theologie der Befreiung, die Dependencia-Theorien sowie die indigenen Kulturen inspiriert wird. Tatsächlich setzte sich „Tag des guten Lebens“ bei der Abstimmung der „Agora Köln“ durch.

Doch worum geht es beim „Buen Vivir“ genau? Alberto Acosta beantwortet nun diese Frage in einem Buch. Acosta, der Wirtschaft an der Universität zu Köln studiert hat, war als Präsident der verfassungsgebenden Versammlung Ecuadors maßgeblich an der Integration des „Buen Vivir“ in die Verfassung des Andenstaates beteiligt. Bis 2008 setzte er sich als Minister für Energie und Bergbau Ecuadors für den Schutz des Tropenwaldes gegen die Interessen der Ölindustrie ein.

In seinem Buch widmet er dem Kölner „Tag des guten Leben“ folgende Passage (S. 153f.):

„Auch die Tatsache, dass Köln einen „Tag des guten Lebens“ eingeführt hat, ist hier erwähnenswert. Der Oberbürgermeister Jürgen Roters beschrieb den Tag anlässlich des „Bonn-Symposium 2014 – Lokales Engagement für Entwicklung. Chancen einer Post-2015-Agenda“ am 27. November 2014 folgendermaßen:

Zum Kulturwandel in der Domstadt kann auch die Agora Köln beitragen, ein breites und buntes Bündnis … Dieses Bündnis hat in diesem Jahr zum zweiten Mal den ‚Tag des guten Lebens‘ veranstaltet und damit das Konzept des ‚Buen Vivir‘ aufgegriffen, das, aus Lateinamerika stammend, auf der ganzen Welt rezipiert wird. An diesem ‚Tag des guten Lebens‘ wurde in einem Kölner Stadtteil 1 km² großes Gebiet für den motorisierten Verkehr gesperrt, und die Bürgerinnen und Bürger haben den entstandenen Freiraum genutzt, um ihre Vorstellungen von Nachhaltigkeit, alternativem Leben und Gerechtigkeit darzustellen und umzusetzen. Vorausgegangen war ein monatelanger Prozess, in dem sich die Anwohner mit der Frage auseinandergesetzt haben: ‚In welcher Stadt wollen wir leben?‘

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Hier weitere Informationen zum Buch von Alberto Acosta.