Beiträge

Große Transformation im Kiez

Seit einem Jahr arbeite ich an der Übertragung der Lehren aus dem urbanen Realexperiment in Köln (Tag des guten Lebens) auf andere Städte, dabei sollen andere Wege der Transformation in den Quartieren erprobt und weiterentwickelt werden (u.a. inklusive Partizipation, Selbstermächtigung der Bürger/innen, Quartiersräte). Das Konzept „Große Transformation im Kiez“ wurde inzwischen von 20 Organisationen unterzeichnet, weitere sind willkommen. Das Pilotprojekt soll in Berlin stattfinden.

Inzwischen hat sich auch eine bundesweite Plattform für den „Tag des guten Lebens“ gebildet, mit Vertreter/innen von Initiativen aus verschiedenen Städten: Dresden, Berlin, Bonn, Essen…
Auch die bundesweite Degrowth-Bewegung, die die Wandelwoche in verschiedenen Städten veranstaltet, ist dabei vertreten, dort laufen gerade die Planungen, in 2018 einen bundesweiten „Tag des guten Lebens für alle“ zu gestalten (zunächst war als Titel „degrowth day“ angedacht). Dabei war auch der „Tag des guten Lebens“ in Köln eine Inspirationsquelle für die verschiedenen Ideen.

Zu der Plattform gehört auch Alberto Acosta, ehem. Präsident der Verfassungsgebenden Versammlung Ecuadors, die das „Buen Vivir“ in der Grundverfassung des Landes verankerte. Acosta unterstützt ebenso die Idee eines bundesweiten „Tags des guten Lebens“.

———-

Bild: Urban Gardening Projekt „Himmelbeet“ im Wedding, Berlin (Foto: Davide Brocchi)

Bundesweite ERDFEST-Initiative

In diesen Tagen startet die ERDFEST-Initiative. Die Zeit ist reif, ein neues Fest im Jahreslauf zu etablieren! Ein Fest, das Lebendigkeit feiert, um daraus Inspiration für einen anderen, einen partnerschaftlichen Umgang mit Mutter Natur zu beziehen. Als Teil des Kernteams werde ich die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation verantworten und 2019 einen entsprechenden Bericht verfassen.

Als Zeitpunkt schlägt ERDFEST drei Tage im lichtdurchfluteten Hochsommer vor. Die Natur steht in ihrer vollen Kraft, die Menschen sind draußen, erfreuen sich des Lebens. Im Prinzip überall könnten dann »Erdfeste« stattfinden. Premiere ist der 22. bis 24. Juni 2018.
Zur Mitwirkung eingeladen sind alle, ob Organisation oder Einzelperson, denen erdverträgliche, enkeltaugliche Formen des Lebens, Arbeitens und Wirtschaftens am Herzen liegen.

Die »Erdfeste« haben keinen Kurator. Es gibt keine zentrale Leitung, die konzipiert oder managt. Jedes »Erdfest« findet im eigenen Kontext und in eigener Regie statt, gemäß den eigenen Vorstellungen und Möglichkeiten. Vereint sind die »Erdfeste« in ihrer Wertschätzung für die lebendige Erde – als Boden und als Planet. Was man feiert, schützt man eher!

Lebendigkeit feiern heißt zunächst, sie wahrnehmen – sie spüren. Daher lädt die ERDFEST-Initiative auch dazu ein, sich jeden Tag zu fragen: Wie kann ich bewusster leben? Oder: Wie erdfest ist meine Lebenspraxis? Meine Arbeitspraxis? Und: Wie erdfest ist unsere (Land)Wirtschaft? Unsere Zivilisation?

Auf www.erdfest.org entfaltet sich ein offener, interaktiver Kommunikationsraum für die schon jetzt sehr vielfältigen ERDFEST-Initiativträger*innen. So freilassend der ERDFEST-Initiativraum ist: Fremdenhass, Rassismus, Diskriminierung und antidemokratische Aktivitäten haben hier keinen Platz.

Am Anfang der Initiative stehen Akteur*innen wie der Biologe, Philosoph und Buchautor Andreas Weber und die – auch künstlerisch tätige – Nachhaltigkeitsforscherin Hildegard Kurt. Träger ist das und. Institut für Kunst, Kultur und Zukunftsfähigkeit e.V. (und.Institut) in Berlin.

Gefördert wird ERDFEST vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

Weitere Informationen:
ERDFEST-Initiative
Facebook
und.Institut

—————————-

Foto: Dr. Hildegard Kurt (l) und Sarah Franz, Koordinatorin der ERDFEST-Initiative (r).

Die Vielfalt als Chance

Am 22. November 2017 hat in Rendsburg die Tagung „Lebensfreude hat keine Hautfarbe“ stattgefunden, mit ca. 80 Teilnehmer/innen. Zu den Organisatoren zählen die LAG Soziokultur e.V., die Heinrich Böll Stiftung Schleswig-Holstein und der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein e.V. (u.a.).

Während sehr viele nach Deutschland eingewanderte oder geflüchtete Menschen ihren eigenen Platz in unserer Gesellschaft suchen und sich hier verorten wollen, gerät die politische Leitidee „Inklusive Gesellschaft“ immer stärker unter Druck.
Menschen werden aufgrund ihrer Herkunft oder Hautfarbe stigmatisiert und diskriminiert, rechte Gewalt nimmt deutlich zu, offen ausländerfeindliche Politiker*innen haben Sitz und Stimme in unseren Parlamenten, demokratische Rechte und Freiheiten werden zunehmend eingeschränkt. Solidarität und Empathie haben im Alltag vieler Menschen nur noch einen geringen Stellenwert. Was kann künstlerisches und kulturelles Engagement dazu beitragen, diese gesellschaftliche Situation zu beleuchten und zu verändern? Was können Kunst und Kultur leisten, um eine offene Gesellschaft wieder als zentrales und breit getragenes Ziel zu verankern und sie mit Leben zu füllen?

Bei der Veranstaltung habe ich einen Impulsvortrag mit dem Titel „Die Vielfalt als Chance“ gehalten. Hier zum Text

Den Brüsseler Kiez (Berlin-Wedding) selbst gestalten

Öffentliche Diskussionsveranstaltung mit Davide Brocchi, Initiator des „Tags des guten Lebens“ in Köln, am Samstag, 9. Dezember 2017, 12-14 Uhr in der Schiller-Bibliothek (Müllerstr. 149) in Berlin.

Wie würde unsere Stadt, unser Quartier und unsere Straße aussehen, wenn sie durch die Anwohnerinnen und Anwohner für einen Tag das Sagen hätten? Was würde passieren, wenn die Straßen an diesem Tag autofrei wären? Welche Ideen könnte man endlich umsetzen, für die bisher kein Platz war?

Wie sieht er aus, der „Tag des guten Lebens“?

Das gleichnamige Projekt, das seit 2013 einmal jährlich in Köln stattfindet und stetig neue Nachahmer findet, wurde 2017 mit dem Deutschen Nachbarschaftspreis ausgezeichnet. Jetzt soll es auch im Brüsseler Kiez einen „Tag des guten Lebens“ geben. 20 Organisationen machen sich bereits für diese Idee stark.

Am 9. Dezember soll es nun darum gehen, Ideen für die Umsetzung und Mitstreiter zu finden. Dazu sind alle Anwohnerinnen und Anwohner, Mitglieder von Initiativen und Organisationen vor Ort, aus Kultur, Kommunalpolitik und Stadtverwaltung herzlich eingeladen.

Davide Brocchi, Initiator des Projekts, berichtet von seinen Erfahrungen vom „Tag des guten Lebens“ in Köln und stellt das Konzept für ein Pilotprojekt im Brüsseler Kiez vor.

 


Unterstützende Organisationen:

        1. Berlin 21 (www.berlin21.net)
        2. Bürgerinitiative Brüsseler Kiez (http://kiezmacher.blogspot.de)
        3. Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V., Berlin (www.soziokultur.de)
        4. Common Future e.V., Göttingen
        5. Ecapio, Göttingen (http://ecapio.org)
        6. Ecosign / Akademie für Gestaltung, Köln (www.ecosign.de)
        7. Fairleihen, Berlin (https://berlin.fairleihen.de)
        8. Food-Coop Wedding-West (https://fcweddingwest.wordpress.com)
        9. Futurzwei – Stiftung Zukunftsfähigkeit, Berlin (www.futurzwei.org)
        10. Gesundheitsakademie für sozialökologische Gesundheitspolitik und Lebenskultur e.V., Berlin/Bielefeld (http://gesundheits.de/akademie)
        11. Grupo Sal, Tübingen (www.grupo-sal.de)
        12. Himmelbeet, Wedding (http://himmelbeet.de)
        13. I.L.A. – Kollektiv, Göttingen (https://aufkostenanderer.org)
        14. Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, Berlin (www.ioew.de)
        15. Inter3 – Institut für Ressourcenmanagement, Berlin (www.inter3.de)
        16. Lebensplan, Berlin (www.lebensplan.com)
        17. transform – Magazine für das Gute Leben, Leipzig (www.transform-magazin.de)
        18. und.Institut für Kunst, Kultur und Zukunftsfähigkeit e.V., Berlin (https://und-institut.de)
        19. die Urbanisten e.V., Dortmund (https://dieurbanisten.de)
        20. WeddingWandler, Berlin (http://weddingwandler.de)

         



        Foto: Quelle Wikipedia

„Tag des guten Lebens“ auch in Berlin, Kiel, Bonn und Dresden?

In den letzten Monaten wurde ich in verschiedene Städte eingeladen, den Transformationsansatz hinter dem „Tag des guten Lebens“ vorzustellen und über die Lehren aus dem Kölner Realexperiment zu berichten. In Kiel fand nach dem Workshop „Tag des Guten Lebens“ am 15. September (mit Dana Giesecke, Stiftung futurzwei) ein erstes Nachtreffen mit insgesamt 30 Teilnehmern statt, das weitere Treffen folgt Ende November. In Bonn und im Berlin-Wedding gibt es erste Bestrebungen, einen solchen Tag zu organisieren, nach einem Vortrag am 8. November im Leibnitz-Instituts für ökologische Raumentwicklung wird das Thema nun auch in Dresden diskutiert.

Neuer Auftrag zum Thema „partizipative Quartiersentwicklung“

Unsere Demokratie steckt offensichtlich in einer Krise und muss von unten gestärkt oder gar neugegründet werden. Deshalb freue ich mich, eine Expertise zum Thema „partizipative Quartiersentwicklung“ in den nächsten Monaten verfassen zu dürfen, im Auftrag des Forschungsinstituts für gesellschaftliche Weiterentwicklung NRW (FGW). Das Dokument wird 2018 veröffentlicht.
Das FGW ist an der Schnittstelle von Politik, Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit verortet. Sein übergeordnetes Ziel ist es, gesellschaftliche Weiterentwicklungen im Sinne einer sozial integrierten Gesellschaft zu fördern, in der die basalen Grundwerte von Fairness, Gerechtigkeit und Solidarität realisiert werden. In seiner Forschung konzentriert sich das FGW auf vier sozialpolitische und ökonomische Themenbereiche. Die zu erstellende Expertise ist dem Themenbereich „Integrierende Stadtentwicklung“ zugeordnet und wird 2018 veröffentlicht.

 


Bildquelle: FGW

„Tag des guten Lebens“ erhält Deutschen Nachbarschaftspreis 2017

Nachbarschaft ist einer der wichtigen Pfeiler, die unsere Gesellschaft zusammenhalten. Die nebenan.de Stiftung rief in diesem Jahr erstmals den Deutschen Nachbarschaftspreis aus, um aktive Nachbarn und nachbarschaftliche Projekte auszuzeichnen, die sich für ein offenes, solidarisches und demokratisches Miteinander einsetzen.
In nur wenigen Wochen gingen bei der Stiftung über 1.300 Bewerbungen von gemeinnützigen Organisationen, Vereinen, Nachbarschaftsgruppen und -initiativen ein. Mit der Unterstützung einer achtköpfigen Expertenjury wurden nach der Auszeichnung auf Landesebene nun drei Bundespreisträger gekürt, die am 13. September 2017 offiziell auf einer Preisverleihung in Berlin geehrt wurden. Den ersten Preis, der mit 15.000 Euro dotiert ist, gewann das Bündnis Agora Köln mit ihrem Projekt „Tag des guten Lebens“.

Den zweiten Platz teilten sich gleich zwei Projekte:

  • Erster 2. Platz (7.000€): „Witzin macht Zukunft“ der Dörpschaft Witzin
  • Zweiter 2. Platz (7.000€): „Lebensmittel retten Magdeburg“ des Spielwagen e.V.

Auf der Preisverleihung wurde zudem das Engagement aller weiteren Landessieger geehrt, die jeweils ein Preisgeld von 2.000 Euro erhalten:

  • Baden-Württemberg: „Dorfladen Langenbeutingen“
  • Bayern: „Ein Teller Heimat“ im Münchener Westend
  • Berlin: „Baumscheibenfest“ aus dem Kunger-Kiez/ Treptow-Köpenick
  • Brandenburg: „Stadtteilnetzwerk e.V.“ für Potsdam-West
  • Bremen: „Ab geht die Lucie!“
  • Hamburg: „KULTURISTENHOCH2“
  • Hessen: „Stadtteilwohnzimmer“ aus dem Frankfurter Unterliederbach
  • Niedersachsen: „GÖ schafft’s“ aus dem Göttinger Stadtteil Leineberg
  • Rheinland-Pfalz: „Stadtteiltreff Gonsenheim“
  • Saarland: „Kulturschlüssel Saar“
  • Sachsen: „ANNALINDE“ Gemeinschaftsgarten in Leipzig
  • Schleswig-Holstein: „Bücherpiraten“ aus Lübeck
  • Thüringen: Tandemprogramm „NAHbarn“ in Jena

————————

  • Dankesbrief der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker an die Agora Köln

Von Spiekeroog nach Gräfrath

„Unsere Städte – wie können sie zu Stätten von Lebensqualität und Gerechtigkeit werden?“ Zu diesem Thema finden Ende September die (ersten) „Bergischen Klimagespräche“ statt, früher „Spiekerooger Klimagespräche“. Ich habe mich über die Einladung von Prof. Dr. Reinhard Pfriem gefreut, Teil des Vorbereitungsteams zu werden. Zu den 30 Experten, die drei Tage lang in einer fast intimen Atmosphäre diskutieren werden, gehören Vertreter aus Wissenschaft (Dirk Messner, Uwe Schneidewind…), Politik und Stadtverwaltung (Barbara Möhlendick…), Zivilgesellschaft (Harris C. M. Tiddens, Yvonne Johannsen…), Medien und Kultur (Anna Ditges…)…

Vertiefung:

 

Endlich ein Urbanist!

Die Urbanisten sind ein Dortmunder Kollektiv, bestehend aus Raumplaner/innen, Künstler/innen, Pädagogen, Umweltbildner/innen, Ingenieur/innen, Designer/innen & anderen Disziplinen. Nach der guten Zusammenarbeit des letzten Jahrs habe ich nun eine Mitgliedschaft beantragt und freue mich darüber, endlich ein „Urbanist“ zu sein. Wir teilen Ziele und vor allem eine ähnliche Philosophie. Seit 2010 verfolgt der gemeinnützige Verein die Vision einer Stadt, in der die Bewohner/innen ihren Lebensraum eigenverantwortlich mitgestalten und ihre individuellen Ressourcen zusammenschließen: lokal, kreativ und lebendig. Weitere Informationen: https://dieurbanisten.de

Buen Vivir und „Tag des guten Lebens“

2012 fand im Rahmen des Bündnisses „Agora Köln“ ein Wettbewerb statt. Der „Kölner Sonntag der Nachhaltigkeit“ sollte umbenannt werden, die Mobilisierung der Bürger/innen benötigt eine inklusivere Sprache, so die Begründung. Ich schlug „Tag des guten Lebens“ vor, um diese Initiative mit der Buen Vivir-Debatte zu verbinden. Seit dem Studium der Entwicklungssoziologe in Bologna verfolgte ich diese Diskussion über alternative Wohlstandsmodelle in Lateinamerika, die durch die Theologie der Befreiung, die Dependencia-Theorien sowie die indigenen Kulturen inspiriert wird. Tatsächlich setzte sich „Tag des guten Lebens“ bei der Abstimmung der „Agora Köln“ durch.

Doch worum geht es beim „Buen Vivir“ genau? Alberto Acosta beantwortet nun diese Frage in einem Buch. Acosta, der Wirtschaft an der Universität zu Köln studiert hat, war als Präsident der verfassungsgebenden Versammlung Ecuadors maßgeblich an der Integration des „Buen Vivir“ in die Verfassung des Andenstaates beteiligt. Bis 2008 setzte er sich als Minister für Energie und Bergbau Ecuadors für den Schutz des Tropenwaldes gegen die Interessen der Ölindustrie ein.

In seinem Buch widmet er dem Kölner „Tag des guten Leben“ folgende Passage (S. 153f.):

„Auch die Tatsache, dass Köln einen „Tag des guten Lebens“ eingeführt hat, ist hier erwähnenswert. Der Oberbürgermeister Jürgen Roters beschrieb den Tag anlässlich des „Bonn-Symposium 2014 – Lokales Engagement für Entwicklung. Chancen einer Post-2015-Agenda“ am 27. November 2014 folgendermaßen:

Zum Kulturwandel in der Domstadt kann auch die Agora Köln beitragen, ein breites und buntes Bündnis … Dieses Bündnis hat in diesem Jahr zum zweiten Mal den ‚Tag des guten Lebens‘ veranstaltet und damit das Konzept des ‚Buen Vivir‘ aufgegriffen, das, aus Lateinamerika stammend, auf der ganzen Welt rezipiert wird. An diesem ‚Tag des guten Lebens‘ wurde in einem Kölner Stadtteil 1 km² großes Gebiet für den motorisierten Verkehr gesperrt, und die Bürgerinnen und Bürger haben den entstandenen Freiraum genutzt, um ihre Vorstellungen von Nachhaltigkeit, alternativem Leben und Gerechtigkeit darzustellen und umzusetzen. Vorausgegangen war ein monatelanger Prozess, in dem sich die Anwohner mit der Frage auseinandergesetzt haben: ‚In welcher Stadt wollen wir leben?‘

————-

Hier weitere Informationen zum Buch von Alberto Acosta.