25 Jahre nach dem G8 in Genua

2001 hatte der italienische Ministerpräsident die G8 zum Treffen in Genua geladen. Zu den Teilnehmern gehörten George W. Bush, Wladimir Putin, Tony Blair, Jacques Chirac und Gerhard Schröder. Gemeinsam trieben sie die neoliberale Globalisierung voran, während auf den Straßen um den Gipfel über 300.000 Menschen protestierten.

Umwelt- und Friedensbewegung, Eine-Welt-Initiativen, Gewerkschaften, Kirchen… Diese breite und vielfältige Bewegung warnte vor den Folgen einer »Verwestlichung der Welt«, die von oben diktiert wurde: Wer die gesellschaftliche Entwicklung den Zwängen der Marktwirtschaft unterordnet und die Menschen den Spekulationen der Finanzmärkte ausliefert, legt das Fundament für die Zerstörung sozialer und ökologischer Lebensgrundlagen. Wer auf einem begrenzten Planeten auf Wettbewerb und permanentes Wachstum setzt, arbeitet letztlich dem Krieg zu.

Diese Warnungen haben sich leider bewahrheitet. Sie wurden damals auch mit massiver Polizeigewalt beantwortet. Während selbst Nonnen blutig geschlagen wurden, Demonstrierende in der Polizeikaserne von Bolzaneto Folter und Misshandlungen erlitten und ein Demonstrant (Carlo Giuliani) ermordert wurde, ließ die Polizei ausgerechnet den gewaltbereiten Black Bloc große Teile der Stadt verwüsten. Nur wenige aus dessen Reihen wurden festgenommen. Es entstand der Eindruck, als habe man sie bewusst gewähren lassen.

In Genua wurde nicht nur der Rechtsstaat zeitweise außer Kraft gesetzt. Die Ereignisse waren auch von einer medialen Kampagne begleitet, die soziale Bewegungen und Alternativen zur neoliberalen Globalisierung mit Gewalt und Chaos gleichsetzen sollte. Damals lernten wir, dass die Militarisierung der Innenpolitik unsere Gesellschaft nicht sicherer macht. Sie richtet sich auch gegen jene Kräfte, die für gesellschaftliche Transformation eintreten, statt ein nicht-nachhaltiges System zu verteidigen.

Wie viele andere wurde ich damals Attac-Mitglied. Von der Bundesgeschäftsstelle in Frankfurt übernahm ich eine Kartei mit den Kontakten von rund 300 Kulturschaffenden und Kulturvermittler:innen, die die globalisierungskritische Bewegung unterstützen wollten. Daraus entstand 2002 die bundesweite Initiative »Kulturattac«, deren Motto lautete: »Eine andere Welt braucht eine andere Kultur!«

© Dr. Davide Brocchi – Köln, 20.7.2026

 


Bild: © Wikipedia, 2026

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