Die Bedeutung von Kultur für Nachhaltigkeit

Aus dem Vortrag vom 22. März 2018 in Koblenz*… Die Frage ist heute nicht, ob ein radikaler Wandel unserer Gesellschaft stattfinden wird, oder nicht: Wir sind nämlich bereits mittendrin. Die einzige Frage ist, ob er by desaster or by design stattfinden wird. Ein Wandel by design ist ein kultureller Wandel. Er beginnt in den Köpfen, um die Katastrophe vorzubeugen, er wird nicht erst durch die materielle Not erzwungen.

Das Thema meines Vortrags ist die „Bedeutung von Kultur für die Nachhaltigkeit“. Ich beginne
ihn mit einer Begriffsklärung, denn die Begriffe Kultur und Nachhaltigkeit beziehen sich auf eine
sehr Höhe Komplexität und sind deshalb unscharf.
Jede gesellschaftliche Entwicklung, jeder Städtebau, jeder Lebensstil ergibt sich aus der
Materialisierung, aus der Vergegenständlichung eines Kulturprogramms. Kultur ist der Bauplan
einer Gesellschaft, die DNA einer Gesellschaft, stand 2003 im Programm von Kulturattac, dem
Kulturnetzwerk von Attac-Deutschland. Wie unterscheidet sich das Kulturprogramm der
Nachhaltigkeit vom heute dominanten? Das ist die zweite Frage, worauf ich in meinem Vortrag
eingehen möchte.
Im dritten Teil meines Vortrags stelle ich die Frage, wie ein Kulturwandel stattfinden kann: Wie
kommen wir von der heute dominanten Kultur zu einer nachhaltigen Kultur? Dabei spielen die
Medien eine zentrale Rolle. Eine Kultur braucht Medien, um in die Köpfe zu kommen. Auch die
beste Kultur kann ohne Medien keine gesellschaftliche Wirksamkeit entfalten. Mit Medien meine
ich nicht nur die Massenmedien, sondern auch die Bildungsinstitutionen und die Künste.
Eigentlich ist jeder von uns ein Kulturträger.
Im vierten Teil geht es um die Nachhaltigkeit als individuelle und kollektive Lernfähigkeit. Es
geht bei der Nachhaltigkeit nicht darum, eine Ideologie mit einer besseren zu ersetzen, sondern
es geht um eine Eigenschaft von Kultur, eben ihre Fähigkeit zu lernen. Lernfähigkeit und
Ideologie schließen sich gegenseitig aus. Lernfähigkeit ist per se anti-ideologisch und meint die
Fähigkeit, sich mit dem Fremden auseinanderzusetzen, mit dem, was wir nicht wissen. Die
Lernfähigkeit ist für mich das entscheidendste Merkmal einer kulturellen Nachhaltigkeit. Bei
Jürgen Habermas und in der sogenannten Kulturökologie wird die Lernfähigkeit als „kulturelle
Evolution“ beschrieben: Systeme, die sich an neuen Umweltbedingungen nicht anpassen können,
geraten früher oder später in „evolutionäre Sackgassen“.

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* Im Rahmen der Fachtagung „Die Bedeutung von Kunst und Kultur für eine nachhaltige Entwicklung von Städten und Regionen“, Kulturbüro Rheinland-Pfalz. Ort: Dreikönigenhaus, Koblenz.

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